Dritte Orte sind öffentliche oder gemeinschaftlich genutzte Räume,
die weder dem privaten Zuhause noch dem Arbeitsplatz zugeordnet sind. Es
sind Orte, an denen Menschen unabhängig von Alter, Herkunft, Einkommen
oder Lebenssituation zusammenkommen können. Dritte Orte ermöglichen
Austausch, Teilhabe und Gemeinschaft, niedrigschwellig, offen und
freiwillig. Sie sind ein unverzichtbarer Bestandteil einer lebendigen
und solidarischen Stadtgesellschaft. In Darmstadt gibt es bislang nur
wenige solcher Orte. Beispiele hierfür sind der Community-Garten im
Prinz-Emil-Garten sowie der Community-Garten in Kranichstein. Diese Orte
zeigen, wie wertvoll gemeinschaftlich gestaltete Räume sein können: Sie
fördern Nachbarschaft, ermöglichen Mitwirkung und schaffen Räume, in
denen Begegnung auf Augenhöhe stattfindet.
Osthang
Ein besonders prägendes Beispiel für einen solchen dritten Ort war
der Osthang an der Mathildenhöhe. Über Jahre hinweg entwickelte sich
dort ein wilder, alternativer und offener Begegnungsraum, der Menschen
aller Altersgruppen zusammenbrachte. Der Osthang bot einen Ort der
Akzeptanz, des Austauschs und des kulturellen Miteinanders, getragen von
einer lebendigen Gemeinschaft, die sich im Rahmen des Osthang-Vereins
organisiert hat. Dieser Ort wurde jedoch aus der Mitte der Stadt an den
Rand verdrängt. Der kleine, wilde Grünstreifen an der Mathildenhöhe soll
nun teilweise gerodet werden, um dort ein Informationszentrum zu
errichten.
Wir als PARTEI MENSCH UMWELT TIERSCHUTZ sprechen uns klar gegen die Abholzung gesunder Bäume, gegen die weitere Versiegelung von Flächen auf der Mathildenhöhe und gegen die Verdrängung einer gewachsenen Begegnungskultur aus. Der Schutz von Natur, gewachsenen sozialen Strukturen und kultureller Vielfalt muss Vorrang vor weiteren Bauprojekten haben, insbesondere an sensiblen und historisch bedeutsamen Orten.
Dritte Orte sind neben Vereinen ein zentraler Baustein für eine funktionierende Gesellschaft. Sie ermöglichen Begegnung, helfen Vorurteile abzubauen und fördern das Verständnis füreinander. Gerade in Zeiten zunehmender Vereinzelung können sie für junge wie ältere Menschen Orte sein, an denen sie sich nicht allein fühlen. Damit leisten sie einen wesentlichen Beitrag zur mentalen Gesundheit und zum sozialen Zusammenhalt der Darmstädter:innen.
Wir fordern daher, in Darmstadt deutlich mehr Räume zur freien Nutzung für Vereine, Initiativen und Nachbarschaften bereitzustellen, um neue Orte der Begegnung zu schaffen und bestehende zu erhalten. Ein zentrales Ziel muss sein, dass jede Darmstädterin und jeder Darmstädter in seinem jeweiligen Stadtteil einen dritten Ort hat, der fußläufig erreichbar ist und Raum für Gemeinschaft, Austausch und Teilhabe bietet.