In Darmstadt laufen diverse Ausbauten und Umbauten am städtischen Wärmenetz. Im Kreis passiert nichts. Während der gesamten, vergangenen Legislatur haben wir kein einziges Bauprojekt entdeckt, bei dem ein Ersatz oder wenigstens eine zusätzliche Alternative zum Erdgasnetz verbaut wurde. Lediglich ein paar punktuelle Lösungen an öffentlichen Gebäuden wurden umgesetzt.
Gleiczeitig finden jedes Jahr einige Tiefbauprojekte im Kreis statt, wo eine Straße auf hunderten Metern saniert wird, manchmal inklusive der Kanalisation und der Wasserleitungen. Bei so
einer Gelegenheit ist es sehr einfach, auch ein Wärmenetz, etwa für kalte Nahwärme, mitzuverlegen. In Reinheim haben wir sogar kurz nach der letzten Wahl pro-aktiv angeregt, mit der Sanierung
der Straße auch ein Wärmenetz zu verlegen, das sich z.B. aus einer zentralen Geothermiequelle speist.
Als Putin dann die Ukraine angriff, hat die Stadt Reinheim parallel ein neues Erdgasnetz verlegt und sich und ihre Bürger noch tiefer in die Abhängigkeit von fossilen Despoten manövriert.
Wir haben darauf hin alle Kommunen im Kreis angeschrieben, uns die wichtigsten, geplanten Tiefbauprojekte der kommenden Jahre zu nennen. Keine einzige Kommune war in der Lage, auch nur ein einziges Projekt zu nennen. Aus der Liste der Ausschreibungen der zentralen Auftragsvergabestelle konnten wir jedoch entnehmen, dass es sehr wohl Projekte gab. Wenn diese ausgeschrieben werden, ist es meistens jedoch zu spät, um noch politisch für eine nachhaltige Wärmeversorgung aktiv zu werden.
Durch systematische Informationsverweigerung schaffen es die Verwaltungen, immer weiter am status-quo der fossilen Abhängigkeit festzuhalten. Bisher erster Lichtblick hier ist, dass im Zuge der kommunalen Wärmeleitplanung in Dieburg wohl ein Wärmenetz mit Anschluss ans Klärwerk für das Bahnhofsviertel untersucht wird. Das genügt uns aber nicht. Wir können es uns weder leisten, noch länger mit Klimaschutz zu warten, noch Despoten, wie Putin oder Trump weiterhin durch den Kauf von Erdgas zu unterstützen.
Die zentrale Auftragsvergabestelle ist eine freiwillige Leistung des Landkreises. So unduchsichtig das Handeln der Verwaltungen ist, so wenig ist es auch durch verbindliche Gesetze geregelt. Der Landkreis kann anordnen, dass die zentrale Auftragsvergabestelle die Ausschreibung eines Tiefbauprojekts verweigert, wenn die zuständige Kommune ausschließlich in fossile Infrastruktur investiert und nicht beweisen kann, dass der Betrieb eines Wärmenetzes im jeweilligen Fall unmöglich oder unwirtschaftlich wäre.
Im Landkreis gibt es wenig größere Industriebetriebe, die Abwärme liefern könnten. Dennoch gibt es geeignete Quellen:
Die Absatzahlen von Wärmepumpen zeigen, dass solche mit Erdreich als Wärmequelle eine eher geringe Nachfrage erfahren. Der Mangel an politischer Initiative bei Geothermie und Wärmenetzen ist also
ein deutschlandweites Problem. In letzter Zeit sind die Verkaufszahlen außerdem instabil geworden. Dies liegt auch an den verwirrenden Aussagen zur kommunalen Wärmeplanung.